"Gar nicht putzig"

Der zweite Teil unserer IT-Glosse

Gar nicht putzig

"Also", sprach Jonny, meine Stimme, "was wäre, wenn?" Heute hatte er sich auf der Schulter meines Blechkameraden virtualisiert. Schon den ganzen Morgen über ließ er meine kleine Wohnung am Rande des Universums putzen. Dabei kommandierte er lauthals den kleinen Haushaltsroboter nach Herzenslust herum.

"Was wäre, wenn?" äffte ich Jonny, meine Stimme, nach. Mit einer Arroganz, wie sie nur Hochnasen der Extraklasse aufbringen können, ignorierte er mein Gekeife und ergänzte meinen Satz: "Wenn du zum Beispiel deine Wohnung selbst putzen müsstest?"

Ich dachte einen Augenblick nach: "Dann wäre ich verheiratet oder hätte eine Putzfrau", entgegnete ich ihm und jubelte innerlich über meinen vollentwickelten Chauvinismus, von dem ich wusste, dass er den partout nicht ausstehen konnte. Prompt kam die Retourkutsche: "Pfui, du würdest tatsächlich nicht nur eine Frau ausbeuten, sondern sie auch noch diskriminieren?" Er hatte alle Verachtung dieser Welt in den Ton seiner Stimme gelegt. "Momentmal", hochnäselte ich zurück. "Wenn ich verheiratet wäre, wäre ich es, der wahrscheinlich die Wohnung putzen müsste - und meine Frau wäre es, die mich herumkommandieren würde. Da ich mir das nicht gefallen ließe, hätten wir eine Putzfrau. Die stünde aber garantiert nicht unter meinem Befehl."

Jetzt war Jonny baff. Ich hatte ihn mit seinen eigenen Mitteln geschlagen: Mit Logik. Seitdem er bei mir war und sich als "Jonny" identifiziert hatte, versuchte er mich zu erziehen. "Ich bin Deine Stimme", so erklärte er mit immer wieder. "Und als Stimme bin ich voll auf Dein Leben abgestimmt. Ich bin du." Aber wenigstens in meiner Wohnung wollte ich sagen und denken können, was ich wollte - und nicht das, was er, Jonny, mir diktieren würde. Überhaupt war es längst an der Zeit, dass ich ihm zeigte, wer hier Herr im Hause ist.

Ich ahnte nicht, dass ich mich damit auf einen ewigen Kampf mit ihm eingelassen hatte. "Ich will dir etwas sagen", beendete Jonny unser Gespräch. "Ohne mich könntest du deine Wohnung gar nicht putzen. Du hättest keine Ahnung, was zu tun ist und wie man putzt."

Schließlich gab er mir den Rest. "Ich kann dir nur raten, mein lieber Freund: Höre auf deine Stimme!"