06.10.2015

Smart Data ist für den Maschinenbau erfolgskritisch

Interview mit Henrik Oppermann, USU Software AG, Konsortialführung SAKE

SAKE steht für Semantischen Analyse Komplexer Ereignisse. Was ist damit gemeint und um welche komplexen Ereignisse geht es konkret?

Mit komplexen Ereignissen beziehen wir uns auf die Verarbeitung von Ereignisdaten in Echtzeit auch „Complex Event Processing“ genannt. Dies ist ein gängiges Verfahren, wie es bereits bei Twitter oder Börsentickern Verwendung findet. Bei SAKE geht es jedoch um die Verarbeitung von Informationen im Umfeld des Internet der Dinge und die Analyse von Sensordaten aus Maschinen, beziehungsweise, wie in einem unserer konkreten Anwendungsfälle, Druckmaschinen. Wir haben es hierbei pro Maschine mit rund 2.500 Sensoren und 4 Millionen Ereignissen pro Tag zu tun. Man kann sich also vorstellen welche Massen an Daten dabei tagtäglich generiert werden, wenn nicht eine, sondern tausende solcher Maschinen überwacht werden. Diese Daten gilt es in SAKE in ein semantisches Format zu bringen, d.h. mit Hintergrundwissen anzureichern. Diese angereicherten Daten sind dann Basis für die Entwicklung neuer Algorithmen zur Fehlervorhersage. Denn genau hier liegt der innovative Kern des Projekts SAKE, qualitativ bessere Vorhersagen, die teure Fehlalarme vermeiden.

Warum ist das Thema Smart Data für den Bereich Maschinenbau von solch entscheidender Bedeutung?

Im Bereich Maschinenbau befinden wir uns derzeit in einer Übergangsphase, in der die Qualität der Produkte nicht mehr das primäre Kriterium der Kaufentscheidung ist, sondern der Service der Hersteller immer wichtiger wird. Intelligente Technologien wie SAKE gewinnen aus Massendaten im dreistelligen Terrabyte-Bereich neue Erkenntnisse, die dazu beitragen, dass Maschinenhersteller die Qualität und Effizienz ihrer Produkte steigern und dies wiederum ihren Kunden als Serviceleistung direkt weitergeben können. So lassen sich beispielsweise Wartungsfenster besser timen oder kostenlose Maschinenoptimierungen zur Effizienzsteigerung anbieten, wobei der Hersteller prozentual an den Einsparungen des Kunden beteiligt wird. Es ergeben sich also auch neue Geschäftsmodelle aus den neuen Technologien.

Welche Bereiche und Geschäftsfelder sind bei dem Projekt SAKE involviert?

SAKE ist hauptsächlich im Bereich des Maschinenbaus angesiedelt. Zum einen arbeiten wir an Softwarelösungen zur Optimierung von Druckmaschinen sowie an einer innovativen datengetriebenen Regulierungstechnik für Turboverdichter. Ein weiteres Geschäftsfeld ist das IT-Monitoring.

Sind die Ergebnisse und Lösungen des Projektes SAKE auch auf andere Bereiche übertragbar?

Weitestgehend ja.. Auf den Bereich Energieerzeugung lassen sich die Technologien eins zu eins übertragen. Nehmen wir das Beispiel Windparks: Auch hier ist das Thema Fehlerfrüherkennung beziehungsweise das Wissen um den optimalen Zeitraum für eine effektive Wartung möglichst vieler Windkraftanlagen ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Faktor. Grundsätzlich ist SAKE aber so generisch aufgebaut, dass sich auch andere Bereiche wie Mobilität und Gesundheit die Technologien bei entsprechender Anpassung der Auswertungsalgorithmen zu Nutzen machen können. Hierfür ist der Austausch von Wissensmodellen notwendig, also dem Hintergrund- und Domänenwissen, mit der wir die Auswertungen der Maschinendaten anreichern, um bessere Ergebnisse erzielen zu können.


Henrik Oppermann
Leiter Forschung/Head of Research
h.oppermann(at)usu-software.de

Anmerkung: Dieses Interview diente als Basis für den Handelsblatt-Beitrag: „Analyse am laufenden Band“, Ausgabe 187 v.29.9.2015, S. 42.

Zurück